Montag, 11. September 2017

Der Alltag hat mich wieder

Schon mehr als zwei Wochen bin ich nun wieder aus den Ferien zurück und der Alltag hat mich wieder. Das geht ja meistens schnell und ich finde es okay so :-)
Ich hatte wunderbare Tage verbracht mit meiner guten Freundin, ebenfalls eine junge Ordensfrau. Wir waren fast täglich am und im See. Das Wasser war mir persönlich aber einfach so fünf bis zehn Grad zu kühl. Deshalb zog ich es vor, mich in meine mitgebrachte Ferienlektüre zu vertiefen.
Immer wieder gab es Momente in denen ich staunen konnte. So z.B. als wir die beiden Schlösser in Spiez und Thun anschauten. Schlösser faszinieren mich. Ich stelle mir dann immer vor, wie es wohl war, als diese Räume noch belebt waren, als sie noch als Wohnräume genutzt wurden.

Das ergreifendste was ich aber gesehen habe in dieser Ferienwoche, waren die St. Beatus-Höhlen. Ich fühlte mich als würde ich eintauchen in eine ganz andere Welt mit ihren eigenen Landschaften und Figuren. Felsen, Gänge, Wasser…ich war zutiefst beeindruckt und immer wieder gingen mir die Worte meines Liedes durch den Kopf: „Oh Gott, ich cha nur stuunä, all das hesch du für üs gmacht. Kei Mänsch isch fähig für sonäs Werk, är cha dänke so vill er will, du bisch grösser als alls wos gid.“

Inzwischen konnte ich mich wacker üben im Sakristei-Dienst. Es war zwar nicht neu, da ich seit einer Weile immer Dienstag, Mittwoch und Freitag für die Sakristei zuständig bin, aber trotzdem lag es an mir, dass jeden Morgen die Kerzen brannten in der Kirche, die Kirchentür geöffnet ist, das Mikrofon eingeschaltet und um 7.00 Uhr die Glocken zum Angelus-Gebet läuten. So ähnlich dann auch zum Mittagsgebet, Gottesdienst, Vesper und Komplet. Ich mag diesen „Job“. Besonders der Sonntag fand ich interessant, da noch ein paar zusätzliche Dinge dazu kamen, wie ministrieren und Kommunion austeilen – das erinnerte mich an „alte Zeiten“.

Am vergangenen Freitag kam auch unser Team vom Heimgruppenunterricht wieder das erste Mal für die neue „Saison“ zusammen. Wir besprachen unter anderem das Jahresthema und die Gruppeneinteilung. Ich darf im Herbst dann wieder mit einer 6er-Gruppe in den Unterricht starten und freue mich darauf.

Liebe Grüsse, Sr. Lea

Donnerstag, 17. August 2017

Die zertanzten Schuhe

„Die zertanzten Schuhe“…eine etwas unüblich Überschrift für einen Post auf dem Kloster Blog. Und doch passt er nicht nur zu mir persönlich - ich tanze auch heute noch sehr gerne - sondern er passt vor allem zu unseren momentanen „Untermieterinnen“. Ich kann euch also sagen, es sieht sehr vielversprechend aus und ich empfehle allen über einen allfälligen Märli-Besuch nachzudenken.

Von September bis November ist in Stans wieder die „Märli-Biini“ (Märchen - Bühne) in Aktion. Und jetzt lüfte ich das Geheimnis um den ominösen Post – Titel….das Märchen, welches dieses Jahr aufgeführt wird, heisst nämlich „Die zertanzten Schuhe“. Für die rund 34 Aufführungen wird nun zünftig gearbeitet und wir, hier im Kloster, kommen ebenfalls in den Genuss einen Hauch Theaterluft zu schnuppern. Da das Stanser Theater im Moment noch umgebaut wird, mussten die Näherinnen, die alle Kostüme für das Spiel schneidern, in andere Räumlichkeiten ausweichen und haben bei uns angeklopft. Nun sind sie bei uns einquartiert. So gleicht unser Rekreationszimmer nicht mehr einem Erholungsraum (wie es der Name Rekreation besagt), sondern einer Schneiderei und Nähstube wo fleissig gearbeitet wird. Ich finde es spannend, mich ab und zu in den Raum zu schleichen um zu sehen was sie bereits alles schon angefertigt haben, wie die Kostüme nach und nach entstehen. Es ist enorm viel Arbeit und Kreativität die dahinter steckt – da kann ich nur staunen.

Hier findet ihr zu den Spieldaten…

Ich bin hier noch im Schlussspurt bevor dann meine Sommerferien beginnen. Am Sonntag geht’s los und ich freue mich sehr darauf. Auch das Wetter sieht sehr vielversprechend aus – sagt zumindest der 14-Tage-Trend (ich hoffe der hält was er verspricht).

Tschüss und bis bald!
Sr. Lea

Samstag, 22. Juli 2017

Setz dis Sägel i Wind

Seit drei Wochen, darf ich nun ohne Begleitung mit dem Auto durch die Strassen ziehen, denn ich habe endlich den Führerschein! Ich hätte ja wirklich nicht gedacht, dass Autofahren Spass machen könnte. Als ich 18 wurde und somit das Recht gehabt hätte, mich hinters Steuer zu setzen und lernen zu fahren, fand ich es überflüssig, da ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut vertraut war. So würde ich wohl auch heute noch denken, wenn ich nicht zu dieser Gemeinschaft gehören würde. Weil von unserer Gemeinschaft nur zwei Schwestern im Besitz eines Führerscheins sind, fanden Sr. Sabine und ich (wir beiden Jüngsten), es würde Sinn machen, wenn wir zwei auch fahren könnten. Doch wir waren beide nicht wirklich sehr motiviert. Aber dann haben wir beschlossen, dieses Projekt gemeinsam durchzuziehen. Wir absolvierten einen Nothelferkurs (der übrigens recht Spass gemacht hat – absolut empfehlenswert!) und immer am Mittwochabend war unser Theorie-lern-Abend. So konnten wir am 05. Dezember 2016 zur Theorieprüfung und unseren ersten Erfolg feiern.
Eine Woche später sass ich in einem weissen Toyota Yaris, bereit für meine erste Fahrstunde. Meine Fahrlehrerin hatte bestimmt so viel zu tun wie ich oder wohl eher noch etwas mehr. Denn für jede Kleinigkeit brauchte ich eine Anweisung: „Kupplung drücken, Schalten in den 2. Gang, Kupplung langsam lösen, Gas geben…“ und immer mal wieder musste sie ins Lenkrad greifen, wenn ich einmal mehr geradewegs auf den Randstein zusteuerte oder den Kreisel ohne zu lenken zu umfahren versuchte. Tja, ich bin dankbar, dass sich meine Fahrlehrerin Anita Wyrsch als geduldig und kompetent erwies. So bin ich stets wohlbehütet (aber oft völlig k.o.) zu Hause angekommen. Und nach vielen vielen Geduldsproben und ausgiebigem Schweissvergiessen, bekam ich dann vom Verkehrsamt das Okay als Neulenkerin die Strassen zu erkunden. Und ich geniesse es wirklich, es macht mir Freude!

So konnte ich vor zwei Wochen bereits die Kapelle Ob-Häg ansteuern.
Mitte April gab es bei meiner Schwägerin und meinem Bruder Familienzuwachs, die Zwillinge Pirmin und Manuel sind geboren. Für mich ist es eine sehr grosse Freude, dass ich das Patenamt für Manuel übernehmen durfte. So war es mir ein Anliegen, ihm einen Wunsch mit auf den Weg zu geben. Dies habe ich in Form eines Liedes gemacht. Am 29. Juni 2017 entstand das Lied „Setz dis Sägel i Wind“ und natürlich sang ich an der Taufe nicht nur für meinen „Göttibueb“, sondern auch für seinen Bruder.


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Nun wünsche ich euch allen ein sommerlich schönes Wochenende!

Herzliche Grüsse
Sr. Lea

Montag, 19. Juni 2017

Zeitliche Profess

Seit dem 2. Juni sind inzwischen bereits mehr als zwei Wochen verstrichen.

Der Tag meiner zeitlichen Profess…es war ein besonderer Tag für mich – ein Freudentag.

Der Professgottesdienst fand erst am Abend um 17.00 Uhr statt und ich hatte den Tag frei, durfte etwas tun was mir gut tut. Ja und das tat ich allerdings.
Am Morgen stand ich um 5.45 Uhr auf. Früh aufstehen gehört zwar absolut nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung, aber hey, es gibt Menschen die müssen noch früher raus, also werde ich es mal schön unterlassen mich zu beschweren. Ausserdem war das ja ein ganz freiwilliger Akt :-)
Um kurz vor halb sieben ging ich zum Bahnhof, mit Sonnencreme beschmiert, Sonnenbrille auf der Nase, Wanderschuhe an den Füssen und den Rucksack gebuckelt.
Ich fuhr mit dem Zug nach Sachseln. Von dort aus nahm ich den Bus ins Flüeli. So wanderte ich bereits um 7.30 Uhr hinunter in den Ranft. Am Wegrand sind verschiedene braune Tafeln angebracht. Die erste die meine Aufmerksamkeit auf sich zog war diese hier:

„Komm, folge mir nach – ich will dich ganz.“ Das hat mich sehr berührt. Wann wäre dieser Satz passender gewesen als an diesem Morgen meiner Profess?
Eine Stunde lang verweilte ich im Ranft. Ich war ganz alleine, noch keine anderen Touristen waren da und so konnte ich in aller Ruhe da sein…im Gebet…im Singen…in der Stille – das war schön!

Um 8.30 Uhr war ich bereit zum Abmarsch, mein Zielort war Stans. Ich wanderte also nach Hause. Den umgekehrten Weg – von Stans in den Ranft - habe ich schon oft gemacht. Aber nun war das Kloster mein Ziel. Meinen Entscheid, mich vorerst mal für drei Jahre an die Gemeinschaft zu binden, bekräftigte ich mit diesem Wegstück das ich zurücklegte.
Ich nahm es gemächlich, machte bei jeder Kapelle einen Zwischenstopp und die Mittagsrast war auch eingebaut. So bin ich ungefähr fünf Stunden später zu Hause angekommen. Meine Wanderung habe ich in unserer Klosterkirche mit dem Gebet von Bruder Klaus abgeschlossen:

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir,
und gib mich ganz zu eigen dir.


„Ich bin bereit“, dachte ich, „Ja, jetzt bin ich bereit, diesen Schritt zu tun.

So begann – wie schon erwähnt – um 17.00 Uhr den Gottesdienst. Dabei waren meine Mitschwestern, meine Eltern, meine drei Geschwister und die drei ältesten Nichten. Auch Br. Josef war da, der dem Gottesdienst vorstand.
Ich durfte die Lieder und die Bibeltexte selber auswählen für den Gottesdienst. Das machte es für mich sehr persönlich und umso bewegter. Besonders nahe ist mir die Lesung die ich ausgewählt habe, aus dem Buch Jesaja:

„So spricht der Herr der dich geschaffen hat:
Fürchte dich nicht, ich habe dich befreit! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Musst du durchs Wasser gehen, so bin ich bei dir; auch in reissenden Strömen wirst du nicht ertrinken. Musst du durchs Feuer gehen, so bleibst du unversehrt; keine Flamme wird dir etwas anhaben können. Ich bin der Herr, dein Gott. Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir.“


Im Vertrauen darauf, dass Gott bei mir ist, immer und überall, habe ich nun für drei Jahre die Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit versprochen. Gott nachzufolgen in und mit der Gemeinschaft von St. Klara.

Ich bin dankbar für diesen Tag. Dankbar für meine Mitschwestern und meine Familie, die mit mir diesen Schritt gegangen sind. Dankbar, für alle Menschen, die mir in Gedanken und im Herzen verbunden waren und bleiben.

Liebe Grüsse
Sr. Lea

Samstag, 27. Mai 2017

Der Mai

Liebe Leserinnen
Liebe Leser

Der Monat Mai ist schon bald um. Es war für mich ein turbulenter Monat, wo ich mehr weg war als zu Hause. Somit erklärt sich auch mein längeres Schweigen hier auf dem Blog.
Angefangen hat für mich der Mai im Antoniushaus Mattli in Morschach, beim jährlichen Föderationskurs. Das waren sehr schöne Tage, mit tollen Begegnungen.

Am Mittwoch, 3. Mai kam ich nach Hause, gab am Donnerstag Heimgruppenunterricht, packte am Abend wieder den Koffer und reiste am Freitagmorgen ab nach Ilanz in die Exerzitien. Die Tage in der Stille erlebte ich sehr bewegt. Es gab Momente des aufgewühlt seins und der Anstrengung und es gab auch Momente des entspannt seins, des berührt seins und der Zufriedenheit.

Am 13. Mai kam ich dann auch wieder von Ilanz zurück und war eine Woche zu Hause – so mehr oder weniger – denn auch da hüpfte ich von Termin zu Termin.
Am Sonntagabend, 21. Mai, hiess es dann wieder: Koffer packen (Es ist schon beinahe zur Gewohnheit geworden). Am Montag fuhr ich zu meinen Eltern, auf einen Kurzbesuch, dann noch zu meinem Bruder und meiner Schwägerin, besuchte dort mein kleiner „Göttibub“, der am 20. April, zusammen mit seinem Zwillingsbruder geboren wurde – einfach süss, so kleine Erdenbürger!
Am Nachmittag reiste ich dann weiter. Mit zwei Freundinnen und meiner Schwester, verbrachte ich ein paar Tage auf dem Campingplatz, wie letzten September schon. Das Wetter hätte nicht besser sein können und die Stimmung ist auch kaum mehr zu toppen. Es war einfach toll!

Jetzt bin ich seit Donnerstagabend wieder zu Hause und da bleibe ich jetzt mal. Ich will schliesslich nicht das Risiko eingehen, dass mein Bett eine Vermisstmeldung aufgibt.
Zudem habe ich hier noch ein paar Vorbereitungen zu treffen, äusserlich, wie auch innerlich.

Der 02. Juni wird nämlich ein Festtag für mich und meine Gemeinschaft.
Ich darf die zeitliche Profess feiern. Das heisst, ich werde die drei Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit für drei Jahre versprechen (Wikipedia erzählt etwas genauer darüber). Für mich ist es ein weiterer Schritt auf meinem Weg, dem ich zustimmen möchte. Ich fühle mich bereit, diesen Schritt zu tun und freue mich darauf.

Ich freue mich, wenn ihr besonders an diesem Tag mit mir verbunden seid, im Gebet, mit guten Gedanken.

Ich werde euch danach von diesem Tag gerne berichten.

Bis bald!
Sr. Lea

Montag, 3. April 2017

Ich cha nur stuunä

Nachdem ich nun bereits von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht worden bin, dass ich schon länger keinen Post mehr geschrieben habe, nehme ich das nun zur Hand und schreibe. Denn es stimmt, mein letzter Post liegt schon mehr als einen Monat zurück.
Nun habe ich wieder ein neues Lied komponiert. Das bietet mir gerade den „Gesprächsstoff“ für euch.
Der Frühling ist meine absolut liebste Jahreszeit. Nicht, dass Sommer, Herbst und Winter nicht ihre schönen Seiten hätten, aber der Frühling …wenn die Natur wieder erwacht, da kann ich nur noch staunen – da geht mir das Herz auf.
Ich bin vor ein paar Tagen, in der Abendmeditation nach draussen in unseren Garten gegangen. Ich legte mich mit dem Rücken auf den Boden und schaute in den Himmel, beschnupperte die Luft, beobachtete zwei Vögel in den Ästen eines Baumes. Das führte mich zu meiner ersten Strophe:

„Oh Gott, ich cha nur stuunä,
über diä Wält wo du hesch gmacht.
Jedä Vogel singt sis Lied,
jedi Bluemä hed ihrä Duft
und dr Himmel treid sii Farb.“


Ja und ich kam wirklich ins Staunen. Wenn ich mir die Natur genauer ansehe, dann spüre ich in mir den tiefen Glauben an etwas das grösser ist als der Mensch. Dieses Etwas nenne ich Gott. So kam ich zur zweiten Strophe:

„Oh Gott, ich cha nur stuunä,
wänn ich all das vormer gseh.
Kä Mänsch isch fähig für sonäs Wärch,
är cha dänkä so vill är will.
Du bisch grösser als alls wos gid.“


Im Refrain erzähle ich in Bildsprache wie ich mir diesen Gott vorstelle. Und zwar stelle ich mir vor, dass diese Welt für das Leben erschaffen wurde, mit aller Liebe die es gibt. Deshalb meine Worte: „Hesch dini Liebi drinä gleid“…in alles was er erschuf. So legte er seine Liebe auch in mich, in dich. Und die Vorstellung, dass mich jeder Herzschlag daran erinnert, dass Gott seine Liebe in mich gelegt hat, und mich und mein Leben bejaht, gefällt mir, berührt und bestärkt mich. Mein Herz schlägt ca. 60x pro Minute. Also jede Sekunde bekomme ich Gottes Zusage: „Ja, ich will dass du bist.“

Dies ein paar Gedanken zum Lied. Ihr dürft auch gerne reinhören (ich empfehle mit Kopfhörer).

Liebe Grüsse
Sr. Lea


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